Keine Angst, es geht nicht um Liebeskummer - das ist im Verlauf der Jahre zu einem tinitusartigen Hintergrundpiepen verkümmert, es ist immer da, wird immer da sein und nervt am meisten kurz vorm Einschlafen, - nein, es geht vielmehr um meine Ruhe.
Mir war bis vor ein paar Monaten gar nicht bewusst, dass sich unter meiner Wohnung noch eine weitere befindet. Ja, das waren schöne, unbeschwerte Jahre, bis dort im November scheinbar eine 20-köpfige friesische Holzschuh-Volkstanzmannschaft einzog. Zumindest werktags. Am Wochenende trifft sich die Selbsthilfegruppe der Wacken-Stagediver zu ihrem Moshpitzirkel.
Beides geht überaus ambitioniert vonstatten.
Bisher hat mich der Schlafentzug noch nicht suizidal genug geschliffen um dort zu klingeln.
Nicht mal auf die sonst so zuverlässigen Rentner hier im Haus ist noch Verlass... die haben doch sonst immer alles so schön im Griff gehabt und etwaige Zuwiderhandlungen gegen die Hausordnung minutiös protokolliert am schwarzen Brett neben den Briefkästen angeprangert.
Ich erinnere mich immer noch gerne an :
"Derjenige, der am XX.XX. um 14:27, 14:45 und 14:55 die Bohrmaschine benutzt hat, wird noch einmal dringend auf die Einhaltung....."
Jahahaha, das waren güldene Zeiten.
Und heute ? Heute sitze ich im Bus neben einem Jugendlichen mit zu lautem Kopfhörer und der Nothammer glitzert ganz verführerisch.
Es muss ja nicht immer gleich die Axt oder der Prophet sein... manchmal sind schon ein Eierlöffel ,ein weiteres Wochenende über dem High-End-Subwoofer und eine misanthropische Grundeinstellung genug, damit für den Polizeibericht keine Textbausteine mehr reichen.
Will aber ehrlich sein... viel schlimmer als die permanente Musik- und Partybeschallung ist das Staubsaugen am nächsten Vormittag (Späne vom Parkett ?), denn das vermittelt obendrein ein schlechtes Gewissen wenn ich mich hier so umschaue.


