Gibt ja manchmal so Vermisstenanzeigen auf Zeitungswebseiten, da drückste den Link, siehst das Bild der Person und denkst Dir : "Das kannste mir nicht erzählen, dass DEN einer vermisst."
Sei´s drum... ich vermisse ja keinen, ich fahnde nach jemandem.
Tatbestand : Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Tateinheit mit WTF.
Auch wenn ich gestern hier den Eindruck vermittelt habe, meine Arbeitsstelle sei unter einer Kellerwohnung in Kalkuttas Hafengegend oder in der frisch planierten Innenstadt Alleppos - nein, ich arbeite weitestgehend in der Zivilisation.
Zumindest glaube ich das jeden Arbeitstag genau SO lange, bis ich die Herrentoilette betrete.
Betreten muss.
Freiwillig magst Du da nachmittags nicht mehr rein.
Wenn ich vor der Tür einen Gummistiefelverleih und Einweghandschuhverkauf eröffnen würde - ich wäre ein gemachter Mann. Aber wie gesagt, mir fehlt da irgendwo die Ambition.
Gestern bin ich im Dunkeln rein und als ich das Geräusch meines Schuhs vernahm, der in eine Pfütze tritt, entwickelte ich erstmals Sympathie für das US-Waffenrecht.
Wäre doch fein, wenn Du dann mit nassen Schuhen kurz rüber gehen könntest in die Tanke, Dir dort ne Schrotflinte plus Sporttasche für "Zubehör" kaufst und dann im Büro mal mit Nachdruck fragst, wer das Pinkeln nicht so richtig im Griff hat.
Im Ernst - es sah da aus, wie ne Autobahnraststätte im Ruhrgebiet nach 8 Bussen besoffener Hooligans.
Und ich habe nur EINE Person im Verdacht.
Es wird wie ein Unfall aussehen.
"Er muss hier irgendwie ausgerutscht sein und dann ist er wohl in der gelben Pfütze ertrunken, Herr Kommissar. Kann ich jetzt wieder heften und lochen, oder brauchen Sie mich noch ?"
Nun ist es so weit, ihr habt es nicht anders gewollt - der öffentliche Dienst streikt !
Und mit ihm : ich.
Auch wenn böse Zungen behaupten, mein normaler Arbeitstag sei mit bloßem Auge nicht von einem Generalstreik zu unterscheiden, so möchte ich Ihnen laut entgegnen :
"Wohl !" , denn da geht noch ne ganze Menge bei mir in Richtung Arbeitskampf.
Ich hatte als Kind 6 Jahre Trillerpfeifenunterricht und obwohl es bei mir nicht bis zum Jugendblasorchester (das Wort killt mich jedes mal) gereicht hat, habe ich bestimmt noch genug Puste um meinen Arbeitgeber von der Unmenschlichkeit meiner Arbeitsbedingungen zu überzeugen.
Im Ernst - mein Büro ist nur eine flackernde Neonröhre vom Ende eines schlechten Horrorfilms entfernt. Und dann diese Kollegen...unfassbar. Es gibt Tage, da komme ich minutenlang nicht zum Kaffeetrinken oder Spiegel online lesen. Das ist doch kein Leben so !
Ich finde die 6 % Eingangsforderung sogar etwas tief gepokert, ich hätte 60 gefordert und schon mal den Grill auf das Parkdeck gestellt. Frag mal die Lokführer oder Erzieher - man muss nur wollen.
So...ihr könnt Euch schon mal überlegen, wo Ihr bei der Konkurrenz Euren Restmüll entsorgt und Eure Autos ummeldet und ich ... äh ... kämpfe.
Neuer Spitzenreiter auf meiner Dinge-die-man-nicht-googeln-sollte-Liste : Blasenschrittmacher.
Gebe zu, das war etwas naiv, aber ich war halt neugierig, was sich ein Freund in der Uniklinik für krasses, neues Zubehör legen lässt. Wenn ich seinen E-Rollstuhl dazurechne, ist er jetzt nur noch ein Hörgerät weit vom Transformer entfernt. Respekt.
Nachdem ich eben auch noch auf die harte Tour lernen musste, dass man in der Urologie wirklich erst ein Patientenzimmer betritt, wenn jemand auf das Klopfen mit "Herein" geantwortet hat, durfte ich seinen Bettnachbarn auch bekleidet begrüßen.
Der adrette Herr hat Bismarck schon die Hand geschüttelt und seine Kinder um 10 Jahre überlebt.
Er war sich nicht ganz sicher, wo mein "GUTEN TAG !" herkam und ich bin mir wiederum nicht ganz sicher, wie viele Daumen ich drücken soll, dass die heute noch genug Ersatzteile auf Lager haben.
Wird wohl ne größere OP, Toi Toi Toi.
Außerdem weiß ich jetzt, wie man als Chefarzt richtig den Hipster raushängen lässt - man druckt als Einziger sein Fachgebiet auf deutsch auf´s Schild :
Solange es gegen zu viele Patienten hilft
Professor :" Sagen Sie mal, wo ist eigentlich der Anästhe... Anäs.. na, der Narkosearzt ?"
Ich habe ein etwas ambivalentes Verhältnis zu dem Laden seit ich letztes Jahr im Juli fast in der Notaufnahme den Löffel abgegeben habe und ich nach 24 Stunden unbehandelt mit dem Taxi in einer andere Klinik fuhr, wo ich am nächsten Morgen notoperiert wurde. Scheißverein.
Will aber eigentlich etwas über eine andere, bessere Nahtoderfahrung erzählen, die rückblickend betrachtet für Außenstehende vielleicht ganz witzig ist.
Es begab sich im Juni 2004 und ich war mit 3-jähriger Tochter und Ihrer Mutter in den Niederlanden im Urlaub. Das alleine klingt schon dramatisch, aber es wird noch schlimmer.
Holländer sind ohne Frage ein lustiges Völkchen, irgendwie ist alles putzig, sogar die Sprache ist ja irgendwo zwischen Plattdeutsch und chronischem Lungenkattarh angesiedelt, nur richtig viel los ist außerhalb der einen Metropole nicht. Ich glaube manchmal, die MUSSTEN weiche Drogen legalisieren, denn was will man da sonst den ganzen Tag machen ?
Okay, man merkt vielleicht, dass die Niederlande mittlerweile bei mir gleich hinter der Uniklinik rangieren, aber das hat seine Gründe.
Das kam sinngemäß so :
"Du schau mal, Spatz... die zeigen hier in der Kneipe heute Abend das Länderspiel Deutschland-Holland. Wollen wir da hin ?"
"Au ja, das klingt nach ner Superidee, Hase."
(Okay, rückblickend sehe ich auch den Fehler.)
Wir also das Kind vorsichtshalber Trump-orange geschminkt, Frau trägt orange Blumenkette um den Hals und ich eine superalberne orange Löwenkopfkappe.
Beim Betreten der Kneipe wird uns schlagartig bewusst, dass wir einen großen Fehler begangen haben.
Es wurde extra für das Spiel Rollrasen verlegt, alles ist orange, wir wurden heiter begrüßt und verstanden herzlich wenig. Bestellt wurde Fanta, weil wir das nebenan abgeschaut hatten.
Und dann schießt Ballack den Ausgleich und es stellt sich schlagartig raus, dass "Jawoll" scheinbar gar nicht im niederländischen Wortschatz vorkommt.
Also erst einmal "Das brandneue Testament" ist mein uneingeschränkter Filmtipp für alle, die ihn noch nicht kennen.
Vielleicht nicht unbedingt midlife-crisis-kompatibel, denn der Film stellt unter anderem die Frage : "Wenn Du genau wüsstest, wie viel Zeit Dir noch bleibt, was würdest Du tun ?"
Eine bittere Frage, für jemanden, der seit 24 Jahren Bürostühle durchsitzt, dabei aber weniger Qualifikationen gesammelt hat, als jeder Mensch, der gerade vor der griechischen Küste im Schlauchboot friert, unzählige Beziehungen an die Wand gefahren, dabei aber zwei wundervolle Kinder gezeugt hat, seinen Organspendeausweis höchstens als fiesen Scherz dabei hat, "Morgens Aufstehen" ernsthaft auf der Haben-Seite eines Tages verbucht und auch sonst weitestgehend talent- wie ambitionsfrei ist ?
Was daran am Schlimmsten ist - ich finde es eigentlich ganz okay so, es sieht halt nur von außen scheiße aus.
Wurde kürzlich von meiner Therapeutin gefragt, was ich gerne noch machen würde im Leben und weil mir nach 2 laaangen Minuten nichts Blöderes einfiel, sagte ich : Kanada.
Bei Trivial Pursuit hat das häufig geklappt. Besser als gar nix.
Dabei fällt mir heute mit etwas Abstand noch einiges ein :
Ich möchte "Muse", die "Foo Fighters" und die wiedervereinigten "Good Charlotte" live sehen, ich möchte erstmals eine Person wirklich hassen (war mir bisher viel zu anstrengend) und ich möchte mir Chuck´s kaufen. Nicht weil ich sie tragen würde - das Schiff ist vor 20 Jahren gesegelt - sondern einfach, weil ich nie welche hatte und meine Tochter mich mit Ihren ärgert.
Ich möchte den Mut aufbringen, meiner Mutter zu sagen, sie möchte mir bitte keine Gläser der "Currysauce Madagaskar" mitbringen, die sie ganz stolz in Ihrem Thermomix geschreddert hat und vor allem hätte ich gerne noch so nen netten Abend wie gestern auf dem Dach des Hansemuseums.
Ich sag ja, ich würde nicht tauschen. War recht interessant bis hier.
Dass ich mir zwischenzeitlich einen Splitterbruch in der linken Hand zugezogen hatte und mir kein Arzt mehr die Unfalltheorie abkaufen wollte, denn das würde sich nicht mehr mit der bell curve der Normaldämlichkeit decken ? (Bin beim Abspülen in einer Pfütze ausgerutscht)
Oder dass meine Tochter mich gebrochen hat, indem sie einfach nach den ersten hundert mal ein weiteres mal gefragt hat, ob ich ihr Alkohol auf den Geburtstag schmuggel ? Alles daran fühlte sich so falsch an, dabei habe ich nur einen Tag später an meinem 40. Geburtstag eine satte 8 auf der nach oben offenen Lemmy-Kilmister-Samstagabendgestalungs-Skala gerissen.
Stichwort : In Unterwäsche durch die Hotellobby am Ku-Damm geirrt, nur um vor der Tür eine Sportzigarette zu schmöken. Mir fehlen 3 Tage und ich finde das ganz okay.
Oder dass ich mit meinem vielleicht etwas unsachlichen, aber inhaltlich absolut richtigen Wutausbruch in der Abteilungsleitersitzung ("Fick Dich, Püppi !!") die neue Kollegin aus meinem Büro .... ich möchte sagen.... geleitet habe und ich endlich wieder alleine sitze ?
Oder dass ich wieder "Single" bin ?
Kann dafür aber jetzt schreiben, was ich will.
Zum Beispiel, dass kein menschliches Wesen jemals das Wochenende um den 13. Februar zum Sightseeing in Dresden nutzen sollte. Muss einem ja gesagt werden, dass das keine Boule-Spielfläche vor der Frauenkirche ist, sondern für Trauerblumensträuße entsiegelt wurde.
Bin mittlerweile wieder zurechnungsfähig und relativ gut gelaunt. Musste eben lachen, als ich erfahren habe, dass ich Freitag tatsächlich die Fernbedienung einer Insulinpumpe einer anwesenden jungen Dame in der Hand hatte. Wer vertraut mir so was an ?
Noch mal ... Splitterbruch beim Abspülen und das war MEINE Hand.
Heute Abend kommunales Kino : "Das brandneue Testament" mit Bonnie.
Bis dahin werde ich mich sehr vorsichtig bewegen.